Gerade flattert mir eine Pressemitteilung ins Haus, in der ein Hersteller damit wirbt, den “Netzwerk-Markt zu revolutionieren”. Und zwar mit so genannten Pre-N-Geräten für drahtlose Netze, die im November erhältlich sein sollen. Also der größten Kundenverarsche seit der Erfindung gelochter Kondome.
Erinnert sich noch jemand an die Pre-G-WLAN-Geräte, die auf den Markt kamen, kurz bevor der Standard 802.11g verabschiedet wurde? Etwas ähnliches passiert gerade mit Geräten für den kommenden Standard 802.11n. Mit einem wesentlichen Unterschied: Während bei den Pre-G-Geräten die endgültige Fassung des Standards kurz vor der Tür stand (zwischen dem Erscheinen der ersten Produkte und der Verabschiedung des Standards lagen weniger als zwei Monate), existiert für 802.11n noch nicht einmal ein Entwurf des Standards. Mit diesem rechnen Branchenkenner etwa Mitte 2005, der endgültige Standard dürfte dann frühestens Mitte 2006, eher aber später verabschiedet sein.
Wo man sich also bei 802.11-Pre-G relativ sicher sein konnte, dass ein Firmware-Upgrade die Kompatibilität zum offiziellen Standard herstellen würde, kann man sich bei Pre-N ziemlich sicher sein, dass das nicht funktionieren wird.
Aber gerade die vergleichsweise lange Zeit, die bis zur Verabschiedung von 802.11n noch vergehen wird, ist der Reiz für die Hersteller. Bei Innovationszyklen von rund zwei Jahren vor allem im privaten Bereich lässt sich hier zwei Mal Geld verdienen. Und da das Kaufvieh die Kunden geradezu magnetisch von großen Zahlen auf der Verpackung angezogen werden, dürfte diese Rechnung auch aufgehen.
Ich bin jedenfalls gespannt, wie viele Pre-N-Geräte jetzt auf den Markt drücken.
